Chronik
DDR - Geschichtsmuseum Perleberg
In einem geschichtsträchtigen Bau, von etwa 1850, welcher einst als Artilleriedepot der Perleberger Ulanen (kaiserliche Armee) diente, dann der - Wehrmacht und 1933 als KZ missbraucht wurde, zog nach 1945 die MAS (Maschinen-Ausleih-Station), MTS (Maschinen-Traktoren-Station), polytechnischer Unterricht ein (Schüler stellten unter anderem gr. Sicherungen für die U -, S- und Straßenbahn in Berlin, Dresden und für den Bergbau her).
Jahrzehnte lang war das Gebäude (etwa 800 qm) polytechnisches Zentrum.
Nun beherbergt es mit anderen Gebäuden zusammen das Dokumentationszentrum Perleberg mit dem derzeitigen Arbeitstitel „DDR- Geschichtsmuseum".
Eröffnet wurde die ständige Ausstellung am 7.Okt.2006 mit 10 Räumen zur Geschichte der DDR, z.Z. sind mehr als 20 Räume zugänglich. Weitere werden demnächst folgen.
Inzwischen lädt ein Museums-Cafe' zum Verweilen und zu Gesprächen ein.
Zum Wochenende ist es geöffnet. Wenn Gruppen sich anmelden, wird auch Kuchen oder anderes den Tisch füllen.
Themenabende sind ein fester Bestandteil unserer Arbeit seit Februar 2009.
Hier ein Überblick:
1. "Das hat es bei uns nicht gegeben" - Antisemitismus in
der DDR
Die Mitarbeiterin der Amadeo-Antonio-Stiftung Frau Heike Radvan gab eine Einführung zu dieser Ausstellung.
2. Schwerter zu Pflugscharen - Was ist daraus geworden und was nicht?!
Der letzte Regierungsbeauftragte der DDR der Atomphysiker
Dr. Helmut Domke, zuständig für die Konversion (Umwidmung von militärischen Anlagen) und beteiligt an den 4+2-Gesprächen sprach zu dem Thema:
3. „Der 17. Juni 1953 im Norden der DDR“
Die Landesbeauftragte für Mecklenburg-Vorpommern für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR Dr. Iduna Sager eröffnete die Ausstellung und sprach zu dem Thema.
4. "Erinnerung an die DDR - Soziales Paradies oder Unrechtsstaat?"
Zu diesem Thema sprach Frau Linda Teuteberg (FDP), anschließend gab es eine Disskussionsrunde mit dem Bildungsminister des Landes Brandenburgs Herrn Holger Rupprecht (SPD), Frau Bärbel Treutler (Bündnis Grüne), Herrn Thomas Domres (Die Linke) und Herrn Gordon Hoffmann (CDU).
Frau Angelika Schramm von Antenne Brandenburg hatte die Moderation.
5. „Was mir aus DDR-Jahren unvergesslich geblieben ist“
Für die einen war die DDR erträglich oder gar einträglich, für andere belastend und unerträglich.
Dazu hielt Herr Gottfried Winter (Pf.i.R.) einen Vortrag.
6. 9.November 1989 - Mauerfall
Einsturz oder Aufbruch oder viele Wege in die Freiheit ?
Wer und was hat sich wohin bewegt in der Prignitz?
Als Einstieg in dieses Thema diente eine Filmdokumentation „Makulatur 7/10/89"
DDR 1989, Farbe, 22 min. Regie: Kerstin Süske.
7. „Opposition und Widerstand in der Prignitz"
Zu diesem Thema sprach Dr. Christian Halbrock (Histr. der BStU).
Im Anschluss diskutierten:
Joachim de Haas, Dr. Christian Halbrock, Hans-Peter Freimark
Moderation: Peter Grimm
8. "Der Beitrag der friedlichen Revolution und der frei gewählten DDR-Regierung auf dem Weg zum "Zwei plus Vier"-Vertrag"
Dr. Helmut Domke
9. „Die andere DDR“ – Opposition gegen den Staatssozialismus
Die Beauftragte des Landes Brandenburg zur Aufarbeitung der Folgen
der kommunistischen Diktatur Frau Ulrike Poppe sprach zu diesem Thema.
Sie war selbst in der Opposition aktiv, so dass sie von ihren Erlebnissen bzw. Erfahrungen berichtete.
10. Themenabend „Zwangsaussiedlungen“ 1952 und 1961
Menschen, die im Grenzgebiet lebten und für den Staat als unsichere Personen galten, waren betroffen. Tausende mussten in wenigen Stunden ihre Heimat verlassen.
Diese Aktionen liefen unter verschiedenen Decknamen, z.B. „Aktion Ungeziefer“ bzw. „Aktion Kornblume“. Lange Jahre durfte darüber nicht gesprochen werden.
Zeitzeugen wie Christel Fuhrmann werden von ihren Erlebnissen berichten.
11. „Die Wenigen und die Vielen: Michael Gartenschläger – Kampf gegen Mauer und Stacheldraht"
mit der Autorin und Regisseurin Freya Klier
12. „Von der friedlichen Revolution zur Deutschen Einheit“
Herr Rainer Eppelmann srach zu dem Thema.
13. „Der Fall X - Wie die DDR West-Berlin erobern wollte"
Hans Sparschuh u. Rainer Burmeister stellten diese beeindruckende Filmdokumentation vor
14. Paul F. Duwe las aus seinem Roman „Petermännken“
15. "Bis ich auf das heikle Thema mit der Macht kam"
Lesung und Konzert mit Stephan Krawczyk
16. „Überwacht und abgeschottet - Der Uranbergbau im Visier der Stasi“
17. Am Vorabend des 13. August 2011 war eine Gedenkveranstaltung
zum 50. Jahrestag des Mauerbaus am DDR - Geschichtsmuseum in Perleberg
18. Zwangsaussiedlungen aus dem Grenzgebiet der Prignitz
„50. Jahrestag der `Aktion Festigung´“
19.„ES GAB KEIN NIEMANDSLAND.“ Ein Dorf im Sperrbezirk Eine Produktion von Hans Sparschuh und Rainer Burmeister.
20. Der Schweriner Schloßgeist „Petermännchen“ diente bis zum Herbst 1989 als Deckname für einen inoffiziellen Mitarbeiter (IM) bei der Stasi u. a. an der ehemaligen Unteroffiziersschule „Egon Schultz“ in Perleberg.
Der Schweriner Freizeithistoriker Olaf Putensen hielt einen Vortrag.
21. Widerstand in der DDR (Videodokumentation)
Stefan Roloff und Carola Stabe haben lebensgeschichtliche Interviews mit Menschen geführt, die sich in verschiedener Form dem DDR- System widersetzt haben.
22. Zwangsaussiedlung in der Prignitz
Buchvorstellung und Lesung mit dem Verlagsleiter des OEZ-Berlin Verlages Herr Detlef Stein und dem Autor Ernst-O. Schönemann
23. Sag mir, wo sind sie geblieben die ehemaligen DDR - Kader, die Altpolitiker in der Prignitz?
Der Historiker Sebastian Stude berichtete aus seinen Studien:
"Personelle Kontinuitäten und Wandel im Landkreis Prignitz seit 1989.
Das Beispiel Stadt Perleberg"
24. Mauer – Gitter –Stacheldraht
Ausstellung der Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft
Die politische Verfolgung in der SBZ/ DDR von 1945 bis 1989 wird in der Ausstellung durch verschiedene Lebensläufe von Opfern dargestellt.
Frauen und Männer, von denen diese Ausstellung berichtet, gehören zu denen, die unsere Demokratie unter Einsatz ihres Lebens mit erkämpft haben und dennoch oft genug zu den Vergessenen unserer jüngeren Geschichte zählen.
25. Die Rote Kapelle ein Dokumentarfilm von Stefan Roloff
Die Rote Kapelle, eine der größten deutschen Widerstandsgruppen gegen Hitler, wurde bis vor Kurzem als kommunistisches Spionagenetz diskreditiert – erst von der Gestapo und dann von Geheimdiensten.
Zum ersten Mal erzählen Überlebende Angehörige ihre Geschichte, von einer bahnbrechenden Animationstechnik illustriert.
26.Umerziehung von Kindern und Jugendlichen in der DDR Leid und Unrecht in der Heimerziehung und wie heute geholfen werden kan
Referentinnen: Petra Morawe, Silvana Hilliger
Obwohl die DDR in ihrer Verfassung Kindern und Jugendlichen einen wichtigen Stellenwert eingeräumt hat war die Lebensrealität insbesondere in den Jugendhilfeheimen oft eine andere.
Wie prägen diese Schädigungen bis heute das Leben der Betroffenen? Welche Hilfe kann der jüngst errichtete Fonds „Heimerziehung in der DDR in den Jahren von 1949 bis 1990“ geben?
27. „Stasi in der Prignitz“ Die Kreisdienststelle in Perleberg
Der Politologe Dr. Helmut Müller-Enbergs, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR (BStU) berichtete über die Tätigkeit der inoffiziellen Mitarbeiter (IM) des MfS in der Region
Moderation: Ulrike Poppe LAkD
28. „Ich musste raus“ – 13 Wege aus der DDR
Buchlesung mit Constantin Hoffmann
Constantin Hoffmann, 1956 in Magdeburg geboren, reiste 1981 in die Bundesrepublik aus. Nach dem Mauerfall kehrte er in seine Heimat zurück. .
Die Reportagen von C. Hoffmann belegen den ungebrochenen Freiheitswillen von ehemaligen und zurückgekehrten DDR-Flüchtlingen.
Beweis, dass ein Volk sich nicht auf Dauer einsperren lässt.
Doch was ist zwanzig Jahre nach dem Fall der Mauer aus ihnen geworden?
Hoffmann spürte die Flüchtlinge von einst im wiedervereinigten Deutschland auf und schlägt so den Bogen in die Gegenwart.
29. "Spür die Angst"
Die Disziplinarstrafeinheit des Militärgefängnisses Schwedt/Oder“
Lesung und Musik mit Ilja Hübner, Paul Brauhnert (Hg.) und Susanne Stock (Akkordeon)
Moderation: Dr. M. Subklew (Stellvertr. LAKD)
Im Dezember 1989 haben die letzten Gefangenen, das Militärgefängnisses Schwedt/Oder (das einzige Strafbataillons der Nationalen Volksarmee der DDR) verlassen.
Eine Rehabilitierung ihrer zu Unrecht verbüßten Haftstrafen ohne Gerichtsurteil ist ihnen bis heute verwehrt geblieben. Warum?
Einige der Disziplinarbestraften haben mit einer Dokumentation ihr Tabu gebrochen und sich selbst zu Wort gemeldet. Sie haben einen hohen Preis bezahlt für das, was heute für uns so selbstverständlich ist: Freiheit!
Acht charakterlich sehr unterschiedliche Verfasser haben ihre Schicksale im Bestrafungssystem der NVA niedergeschrieben.
30. "Postkontrolle"
Peter Hellström berichtete aus eigener Erfahrung über die Postkontrolle der Staatssicherheit.
In der DDR hatte die Postkontrolle durchgehend seit dem Ende des 2. Weltkrieges stattgefunden. Nachdem anfänglich vor allem Briefe aus dem Westen kontrolliert wurden - hier ging es vor allem um westliche Druckerzeugnisse, ist die Staatssicherheit bald zur Kontrolle aller Briefe, Telegramme und Pakete übergegangen. Dabei wurden circa 11% aller Briefe innerhalb der DDR, das sind etwa 90.000 Briefsendungen jährlich, geöffnet und auf staatsfeindliche Inhalte untersucht. Da jede Überwachung durch die Staatssicherheit mit der Postkontrolle des/der Verdächtigen begann, war das System schon bald völlig überlastet.
31. "Karierte Wolken"
Matthias Storck (1956) „Man suchte den Himmel und sah karierte Wolken.“ Dem geborenen Pfarrerssohn Matthias Storck blieb der Weg zum Abitur verwehrt, weil er kein Mitglied der Freien Deutschen Jugend (FDJ) war. Nur mit einer Sonderreifeprüfung konnte er Theologie studieren. Zwei Ereignisse erschütterten in dieser Zeit sein Leben: Der Pfarrer Oskar Brüsewitz verbrannte sich 1976 in Zeitz an Storcks 20. Geburtstag; im selben Jahr wurde der kritische Liedermacher Wolf Biermann aus der DDR ausgebürgert. Empört und betroffen setzte sich Storck nun verstärkt mit den gesellschaftlichen und politischen Verhältnissen in der DDR auseinander und trat öffentlich gegen die Einführung des Wehrunterrichts auf.
Von einem befreundeten Pfarrer, der inoffizieller Mitarbeiter (IM) des Ministeriums für Staatssicherheit (Stasi) war, wurden seine Aktivitäten verraten und Storck mit seiner Verlobten im Oktober 1979 verhaftet. 1980 wurde Matthias Storck wegen eines vorgeblichen Fluchtversuchs, „staatsfeindlicher Verbindungsaufnahme“ und „staatsfeindlicher Gruppenbildung“ (mit seiner Verlobten) zu 2 Jahren und 8 Monaten Haft verurteilt. Nach 14 Monaten Haft wurden beide von der Bundesrepublik Deutschland freigekauft. Er berichtete sehr beeindruckend von seinen enttäuschenden und auch mutmachenden Erfahrungen hier und dort.




